Litauen: Eine kulturhistorische Schönheit

Das nordeuropäische Litauen ist der südlichste der drei baltischen Staaten – und wohl nicht gerade das erste Land, das einem einfällt, wenn man sich Reiseziele für den nächsten Familienurlaub überlegt.

Litauens traumhafte Landschaft

Im Sommer werden es durchschnittlich gerade mal 17 Grad, und im Winter gehen die Temperaturen bis unter Null. Nur knapp über drei Millionen Menschen wohnen in Litauen – also ungefähr so viel wie in Berlin. Landschaftlich herrschen Wälder, Moore und Sümpfe vor. Und doch ist Litauen ein Land, das sowohl kulturell und geschichtlich interessierten Reisenden als auch Liebhabern traumhafter Landschaften alles bietet, was das Herz begehrt.

Kulturhistorische Sehenswürdigkeiten

Besonders die Hauptstadt Vilnius trumpft mit kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten erster Güteklasse auf. Beinahe an der Grenze zu Weißrussland, lockt die Stadt jedes Jahr unzählige Touristen, die sich von ihrer einzigartigen Schönheit verzaubern lassen wollen. So wurde ihr, zusammen mit dem österreichischen Linz, im Jahr 2009 der Titel der Europäischen Kulturhauptstadt verliehen.

Die Wahrzeichen

Wahrzeichen der Stadt ist natürlich die Ruine der Burg von Gediminas, die im 14. und 15. Jahrhundert auf dem gleichnamigen Hügel erbaut wurde. Am Fuße des Hügels steht die schneeweiße Kathedrale Sankt Stanislaus. Sie gilt als die erste Kirche auf litauischem Boden – der erste Bau an dieser Stelle wurde im 13. Jahrhundert errichtet. Geschichte wird in Vilnius großgeschrieben: Die Altstadt gehört zu den best erhaltenen Europas und wird seit 1994 von der UNESCO zum Weltkulturerbe gezählt. Liebhaber von Barock, Gotik und Renaissance werden bei einem Rundgang durch die romantischen Gassen Vilnius’ voll auf ihre Kosten kommen.

Knapp zwanzig Minuten Fahrzeit außerhalb von Litauen liegt der sogenannte Europapark – dabei handelt es sich aber nicht um einen Ableger des berühmten Freizeitparks, sondern um ein Freilichtmuseum von gewaltigen Ausmaßen. Auf 55 Hektar werden 90 Exponate aus 27 europäischen Ländern gezeigt, die man auf einer ausgedehnten Wanderung durch den Park besichtigen kann. Wer sich für Freilichtmuseen interessiert, dem sei übrigens auch das Freilichtmuseum in Rumsiskes ans Herz gelegt: Hier wurden traditionelle Bauwerke Litauens zu einem kleinen Dorf zusammengestellt, um Gästen aus aller Welt Bräuche, Handwerk und Traditionen Litauens und Lebensart der ethnischen Volksgruppen zu zeigen.

Die Geschichte

Doch Vilnius war nicht immer die Hauptstadt Litauens. Im Mittelalter, von 1316 bis 1323, konnte diesen Titel die kleine Stadt Trakai für sich erobern – der Legende zufolge war Fürst Gediminas auf der Jagd unterwegs, als ein schöner Hügel seine Aufmerksamkeit fesselte und er entschied, die Hauptstadt nach dort überzusiedeln. Im 13. und 14. Jahrhundert fanden hier erbitterte Kämpfe gegen die Kreuzritter des Deutschen Ordens statt.

Um die Stadt gegen die Eindringlinge verteidigen zu können, wurden Burgen errichtet – bald versuchten die Ordensritter, diese Gegend Litauens zu vermeiden, denn sie war für sie unbesiegbar geworden. Die sogenannte Halbinselburg Trakais wird in einer Kreuzritterchronik als die neuere Burg bezeichnet. Sie stand ursprünglich auf der Höhe zwischen zwei Seen der Stadt, wurde jedoch im Laufe der Geschichte stark beschädigt und schließlich endgültig zerstört. Das heutige Gebilde ist Ergebnis ausdauernder Restaurierungsarbeiten aus dem 19. Jahrhundert. Berühmter dagegen ist die Inselburg: Sie taucht schon 1414 in den Reisebeschreibungen eines flämischen Ritters auf, der Litauen bereiste. Die Burg steht auf einer Insel zwischen drei Seen. Wegen der malerischen Seenlandschaft, in der Trakai liegt, wurden Stadt und Umgebung zum historischen Nationalpark erhoben.

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